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Wenn viele Nervensysteme in einem Raum sind – was traumainformierte Prozessbegleitung ausmacht

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Ein persönlicher Einblick in meine Fortbildung „Traumasensibel begleiten TSB®“ von Natalie Bürk

In meiner Arbeit als Prozessbegleiterin und Coach begleite ich Menschen in Veränderung – einzeln und in Gruppen. Ich erlebe Workshops, Teamtage und Coachings, in denen wirklich etwas in Bewegung kommt. Und ich erlebe Räume, in denen der Wille und Wunsch zur Veränderung da ist und manchmal nichts landet.

Heute verstehe ich besser als je zuvor, woran das liegt.

Was passiert, wenn viele Nervensysteme sich begegnen

Stellen Sie sich einen Workshop-Raum vor: zwölf Menschen, zwölf Geschichten, zwölf Nervensysteme – jedes mit seiner eigenen Antwort auf die Frage: Bin ich hier sicher? Darf ich mich zeigen? Kann ich mich einbringen? Was kommt hier auf mich zu?

Diese Fragen werden nicht bewusst gestellt. Das autonome Nervensystem (ANS) scannt ständig und blitzschnell die Umgebung, lange bevor der erste Gedanke formuliert ist. Und je nachdem, welche Antwort es findet, öffnet sich ein Mensch oder er schützt sich.

Das ist keine Frage der Motivation. Es ist Biologie.

Diese Erkenntnis hat sich durch die Fortbildung Traumasensibel Begleiten (TSB®) tief in meiner Haltung als Prozessbegleiterin verankert. Nicht als neue Technik, sondern als echtes, eigenes körperlich erfahrenes Verstehen.

Was ich schon immer getan habe und jetzt noch tiefer verstehe

Ich habe in meinen Workshops schon immer bestimmte Dinge integriert: Check-Ins zu Beginn, Zeit zum Ankommen, eine klare Orientierung darüber, was die Teilnehmenden erwartet, wie ich arbeite, welcher Rahmen gilt und vor allem, wie wir hier miteinander arbeiten und „sein“ wollen. Als strukturellen Rahmen nutze ich dabei das 4MAT-System, das auf Bernice McCarthy zurückgeht und vier verschiedene Lerntypen unterscheidet: Warum-Typ, Was-Typ, Wie-Typ und Was-wäre-wenn-Typ. In Kürze gesprochen, beschreibt das Modell also, dass verschiedene Lerntypen unterschiedliche Fragen mitbringen und dass gelingende Kommunikation, alle vier Typen abholt.

Was ich durch die Fortbildung jetzt erlebt habe, sackt nochmals tiefer. Es ist nicht mehr nur methodisches Handwerk. Es wird zur Haltung.

Denn die Grundpfeiler einer nervensystemorientierten Arbeit – Orientierung, Langsamkeit, Wahlmöglichkeit, Präsenz, Selbstwirksamkeit, Ressourcen, Sicherheit und gesunde Grenzen (und einige mehr) – sind genau das, was ein Nervensystem braucht, um sich zu öffnen. Was Menschen brauchen, um wirklich lernen, wachsen und sich verändern zu können.

Wenn ich einen Raum so gestalte, dann ist das nicht nur gute Didaktik oder effektive Kommunikation. Es ist eine Einladung an das Nervensystem: Hier darfst du ankommen.

Theorie, die ich am eigenen Leib und im eigenen Körper erfahren habe

Besonders beeindruckt hat mich in der Fortbildung, dass die Inhalte nicht nur vermittelt, sondern wirklich gelebt wurden. Die Art, wie der Raum gehalten wurde, wie das Tempo war, wie Wahlmöglichkeiten gegeben wurden, hat dafür gesorgt, dass mein eigenes Nervensystem sich entspannen konnte. Runterfahren. Ankommen.

Und aus diesem Zustand echter Sicherheit waren plötzlich Prozesse möglich, die sonst verschlossen geblieben wären.

Ich habe die Polyvagal-Theorie nicht nur verstanden – ich habe sie gespürt. Habe in die Reflexion gefunden, wann mein Nervensystem genährt wird. Habe somatische Wahrnehmung geschult und gelernt, dafür Sprache zu finden. Habe gehört, wie andere Menschen ihre inneren Zustände beschreiben und dadurch mein eigenes Repertoire enorm erweitert.

Selbstregulation: Nicht wegschieben, sondern da-sein-lassen

Ein Gedanke aus der Fortbildung hat mich besonders berührt weil er so grundlegend anders ist als das, was wir meist gelernt haben:

Selbstregulation bedeutet nicht, eine Emotion loszuwerden. Es bedeutet: damit da sein können.

Eine Emotion darf da sein, damit sie sich verändern kann. Ihr kleinschrittig begegnen. Raum geben. Das gilt für mich als Begleiterin. Und es gilt für jeden Menschen, der in einen meiner Prozesse kommt.

Dazu gehört auch Co-Regulation: Meine eigene Präsenz, meine Ruhe, mein reguliertes Nervensystem wirken auf die Menschen, die ich begleite – in Einzelsitzungen genauso wie im Gruppenraum. Das ist keine Metapher. Das ist neurobiologische Realität.

Was das für Ihre Prozesse bedeutet

Ob Sie als Führungskraft einen Teamentwicklungsprozess durchlaufen, als Organisation an Ihrem Leitbild arbeiten oder als Einzelperson in einer beruflichen Übergangsphase begleitet werden möchten:

In meiner Arbeit bedeutet traumainformiertes Coaching, dass ich den Raum so gestalte, dass echte Begegnung möglich wird. Dass ich Tempo und Tiefe in Balance halte. Dass ich Ihnen – und Ihrem Team – Wahlmöglichkeiten lasse und Sicherheit ermögliche, bevor ich Tiefe einlade.

Das bedeutet für Sie konkret:

  • Was hier entsteht, darf wirklich landen – nicht nur im Kopf, sondern im Erleben
  • Sie müssen nicht sofort liefern oder performen
  • Das Tempo richtet sich nach dem, was der Raum trägt
  • Jede Person im Raum darf da sein, wie sie ist

Regulationsorientierte Begleitung, die den ganzen Menschen sieht

Nervensystembasiertes Arbeiten im Coaching und in der Prozessbegleitung bedeutet nicht, dass wir Traumata bearbeiten. Es bedeutet, dass ich verstehe: Menschen bringen ihren ganzen Körper, ihre ganze Geschichte und ihr Nervensystem in jeden Raum und in jede gemeinsame Arbeit mit.

Gute Begleitung beginnt damit, das zu würdigen. Und einen Rahmen zu schaffen, in dem Veränderung nicht erzwungen, sondern ermöglicht wird.

Das ist der Anspruch, dem ich mich nach dieser Fortbildung noch bewusster verpflichtet fühle. Und der mir nochmal mehr deutlich macht, dass Coaching und Prozessbegleitung – so wie ich es verstehe – bei weitem keine neo-kapitalistische Performance-Steigerung als Ziel hat!

Klingt das nach einer Haltung, die Sie sich für Ihre nächste Zusammenarbeit wünschen?
Dann lassen Sie uns doch kennenlernen!

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